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Früh übt sich, wer ein Meister werden will - das gilt auch für das Schreiben von spannenden Geschichten. Lara Fischer hat die spannendste Geschichte der Klasse 5b geschrieben. Sie trägt den Titel "Ein schlimmer Tag".

Es war Freitag. Cleo und ich, Hanuta, saßen gerade im Auto meines Vaters. Wir waren auf dem Weg in die Alpen. Wir hatten uns schon den ganzen November darauf gefreut, endlich als beste Freundinnen das erste Mal alleine in die Berge zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir noch nicht ahnen, was dort auf uns zukommen würde. Normalerweise fuhren wir jedes Jahr mit Cleos oder meinen Eltern. Dieses Mal aber fuhr uns mein Vater nur hier her. Schon seit vielen Jahren hatten wir darum gebettelt, duften aber nicht. Dieses Jahr hatte es geklappt, nur weil unsere Eltern keine Zeit hatten, mit uns in den Bergen zu bleiben. Außerdem waren sie endlich zu der Überzeugung gekommen, dass wir es auch alleine schaffen würden. Cleo und ich waren so aufgeregt, dass wir es kaum erwarten konnten, bis mein Vater endlich sagte: „Wir sind da!“ Wir sprangen aus dem Auto und holten unser Gepäck aus dem Kofferraum. Mein Vater gab mir einen letzten Kuss und flüsterte: „Passt bitte auf euch auf und macht es Frau Rosenberg nicht zu schwer.“ „Ja, ja“, flüsterte ich zurück. Frau Rosenberg war die strenge Haushälterin der Pension, in der wir immer unseren Urlaub verbrachten. Kurze Zeit später gingen wir auch schon ins Haus rein und begrüßten Frau Rosenberg. Sie brachte uns auf unser Zimmer. Wir legten unsere Sachen ab und packten sie nicht lange danach aus.
Da fragte mich Cleo: „Hanuta, hast du vielleicht Lust, mit mir in den Bergen zu wandern? Es ist ja noch recht früh." „Okay, aber wir müssen Frau Rosenberg auf jeden Fall Bescheid sagen“, erwiderte ich aufgeregt. Also zogen wir uns warm an und fragten Frau Rosenberg: „Dürfen wir vielleicht ein bisschen wandern gehen?“ „Ja, aber nicht zu weit. Bleibt in der Nähe“, murmelte sie mit schreckhafter Stimme. Wir machten uns auf den Weg durch den Schnee. Es war richtig schön. Die verschneite Landschaft, der unglaubliche Blick auf die tollen Berge. Auf einmal rieb mit  Cleo eine Ladung Schnee in den Nacken. Ich erschrak und schrie: „Cleo, du Blöde, bist du verrückt?!“ „Nö!“, antwortete sie mit lauter Stimme und musste kichern. Daraus wurde eine wilde Schneeballschlacht, bis wir plötzlich ein Strömen oder Rauschen hörten. Ich fragte Cleo etwas beunruhigt: „Hörst du das auch?“ Sie antwortete entspannt: „Ja, es ist wunderschön. Lass uns dort hingehen.“ Sie ging sofort los, ich hinterher. Einen Moment später kamen wir an und es war wirklich wunderschön! „Einfach nur unglaublich, dieser Wasserfall“, flüsterte ich beeindruckt. Cleo war genauso fasziniert wie ich. Ein großer Wasserfall entsprang den Felsen zu unseren Füßen, das Wasser glitzerte und funkelte in der Sonne, ein Regenbogen hatte sich gebildet. Die Luft war erfüllt von einem berauschenden Rauschen, das fast wie Musik klang.
Cleo und ich gingen noch ein paar Schritte näher an den Wasserfall heran. Auf einmal waren wir sehr nah. Mir wurde schwindelig, meine Augen fielen mir fast zu. Ich versuchte, ein paar Schritte zurückzugehen, doch ich konnte meine Füße nicht mehr richtig bewegen, ich merkte, wie ich abrutschte. Mit lauter Stimme rief ich: „Hilfe, Hilfe!“ Cleo schaute erschrocken zu mir runter und schrie: „Hanuta, Hanuta!“ Sie hatte Tränen in den Augen, genau wie ich. Mein Herz wäre beinahe stehen geblieben, ein letztes Mal lächelte ich Cleo an. Dann wurde mir schwarz vor Augen. Ich stürzte nicht in den Wasserfall, sondern schlug auf einem Felsvorsprung auf. Cleo fing an zu weinen und schrie mit voller Wucht: „Hanuta, Hanuta, lebst du? Hanuta, lebst du?“ Ich konnte sie zwar wie aus großer Entfernung sprechen hören, aber ich konnte nicht antworten. „Ich bin so dumm! Das ist alles nur meine Schuld, warum mussten wir auch gleich wandern gehen!“, kreischte sie verzweifelt. Wir hatten unsere Handys in der Pension gelassen. Cleo hatte keine Wahl, sie musste mich zurücklassen und zur Pension laufen, um Hilfe zu holen. Sie rannte zu Frau Rosenberg ins Haus und begann mit Tränen in den Augen zu berichten: „Frau Rosenberg, es ist etwas ganz Schlimmes passiert! Wir haben einen Wasserfall entdeckt und sind zu nah rangegangen. Hanuta ist abgerutscht und auf einen Felsvorsprung gestürzt. Sie liegt dort und bewegt sie nicht, sie scheint ohnmächtig zu sein.“ „Was?“, schrie Frau Rosenberg. „Ich rufe jetzt sofort einen Krankenwagen und die Feuerwehr!“ Das tat sie auch und nicht lange danach waren sie auch schon zur Stelle. Cleo zeigte ihnen den Weg zur Unglücksstelle. Zwei Feuerwehrleute holten mich nach oben. Ich hatte eine starke Kopfverletzung, Blut floss aus meinem Kopf, ich schwebte in Lebensgefahr.
Cleo weinte mit Frau Rosenberg, beide machten sich schreckliche Vorwürfe. Ich war inzwischen schon im Krankenhaus angekommen und wurde sofort operiert. Ich lag im Koma. Cleo wurde von ihren Eltern bei Frau Rosenberg abgeholt. Meine Eltern kamen so schnell es ging zu mir ins Krankenhaus und hofften darauf, dass ich aus dem Koma erwachte. Auch Cleo kam mich hin und wieder besuchen. Die Ärzte redeten davon, dass es nicht gut für mich aussehen würde. Sie beschlossen, noch eine Woche zu warten, bis sie die Geräte, die mich am Leben erhielten, abschalten wollten. Die Zeit verging und meine Eltern wurden fast verrückt vor Angst um mein Leben. Die Woche verging unerbittlich, bis ich einen Tag vor der Geräteabschaltung aufwachte. Die Ärzte konnten es kaum glauben und fragten mich: „Hanuta, kannst du dich erinnern, was passiert ist?“ „Ja“, antwortete ich leise. Meine Eltern wurden sofort informiert und auch Cleo. So schnell sie konnten machten sie sich auf den Weg ins Krankenhaus und standen schon Sekunden später an meinem Bett.
Wir alle waren unglaublich erleichtert und freuten uns sehr. Cleo entschuldigte sich unter Tränen bei mir, obwohl sie das gar nicht musste. Zwei Wochen später kam ich dann mit noch ein wenig Kopfschmerzen und ein paar Schürfwunden aus dem Krankenhaus. Wir feierten meine Rückkehr, allerdings mit leiser Musik. Alle waren glücklich.

Lara Fischer, Klasse 5b